Paskalwen

Gelegentliche Texte

Was ist Konservativismus?

Ich wurde heute auf Twitter mehrfach gefagt, was ich denn unter Konservativismus verstehe. Ich habe da vor mehreren Jahren mal einige Punkte notiert, die mir heute noch – mindestens für einen Ansatz – als zutreffend erscheinen. Hier ist der Text:

Konservativismus lässt sich im Grunde in einigen wenigen Punkten zusammenfassen. Vorauszuschicken ist, dass ich Konservativismus nicht als geschlossene Ideologie betrachte. Was hier folgt, ist eine gänzlich individuelle Sicht. Aus diesem Grund gibt es innerhalb des Konservativismus ja auch erheblich größere Bandbreiten und Spielarten als in geschlossenen Ideologien wie dem Marxismus. Das resultiert aus einer für mich wesentlichen Denkungsart:

  1. Der Konservative gewinnt seine Erfahrungen aus der Anschauung der Dinge. Er ist der Beobachter und der Analytiker des Konkreten. Ihm sind theoretische, abstrakte Denkgebäude suspekt. Es geht um diesen Baum, dieses Haus und diesen Menschen.
  2. Wenn der Konservative die grundsätzliche Erkenntnisfähigkeit des Menschen bejaht, ist er sich doch immer ihrer Unzulänglichkeit bewusst. Das göttliche Wirken in Schöpfung und Geschichte entzieht manche Sphären der Schöpfung einer vollkommenen Erkenntnis. Das gilt auch für die Möglichkeit einer allumfassenden Erkenntnis, die dem Göttlichen vorbehalten ist.   Ebenso zweifelt der Konservative an der Vergöttlichung der menschlichen Vernunft. Er misstraut ihrer Verabsolutierung. Das Göttliche aber kann erfahren werden, dies jedoch ist eine gänzlich individuelle Angelegenheit.
  3. Der Konservative ist ein Bewahrer. Er hält die in Jahrhundert gewonnen Erfahrungen aus der Anschauung der Dinge für wertvoll. Das gilt auch für die Lebenspraxis der Ahnen. Dabei gibt der Konservative jedoch das Feuer weiter, niemals die Asche. Ihm geht es um die Essenz der Dinge, nicht ihre leere Hülle. Aus der Anschauung der konkreten Dinge ist dem Konservativen nämlich auch die Vergänglichkeit aller Dinge dieser Welt bewusst geworden. In diesem Sinne ist der Konservative kein Museumswächter nutzloser Praktiken und Haltungen. Er bewahrt und entwickelt weiter. Behutsam. Aus dem Konkreten.
  4. Dem Konservativen gilt das historisch Gewachsene mehr als das kurzfristig und in Eile Konstruierte. Das Gewachsene enthält die Essenz der Zeitläufe. Deswegen misstraut der Konservative Ideologien jeder Art, die glauben, Utopien auf die eine oder andere Weise heranzüchten zu können.
  5. Dem Konservativen ist die Vielgestaltigkeit der Schöpfung bewusst. Er hegt das unterschiedlich Gewachsene und verabscheut das Uniforme.
  6. Der Konservative sieht den Menschen aus diesem Grund gleichzeitig als mit natürlicher Ungleichheit gesegnet wie geschlagen. Dies entspricht der Erfahrung aus konkreter Ansicht. Er lehnt daher egalitäres Denken sowie Versuche, egalitäre Systeme zu schaffen ab.
  7. Der Konservative erkennt die Freiheit des Individuums. Es handelt sich um eine natürlich dem Individuum eingeborene Eigenschaft sowie ein natürliches Recht. Aus dem Naturrecht ergibt sich zudem das Recht auf Privateigentum. Freiheit und Eigentum bilden für ihn die Grundlagen eines jeglichen Zusammenlebens von Menschen.

Ein Fähnlein im Wind namens SPD

Eine neue Groko steht ins Haus. Da lohnt es sich einen Blick auf den wundersamen Meinungsumschwung in der SPD zu werfen, der dieser vorausging.

Im September 2017 war sich der SPD-Chef Martin Schulz noch ganz sicher: Er wird Kanzler:

Allerdings glaubte zu diesem Zeitpunkt nur noch er selbst an den „Schulz-Zug“. Tage vor der Wahl wirkte der Mann dann auch eher wie ein tragisch Wahrnehmmungsgetörter – und eben nicht wie ein Politiker, der vor einem Sieg steht. So kam es dann ja auch, und Schulz hatte tatsächlich seine einzige gute Idee der vergangenen zwei Jahre: Die SPD sollte sich nicht erneut in die tötliche Umarmung der Union begeben. Und das klang so:

Nur hielt diese Übezeugung nicht lange. Schon im Dezember zog Schulz im Namen der SPD den Schwanz ein.

Noch viel herzhafter war Bundes-Vize Ralf Stegner bei der Sache. Er bemühte bei seiner Absage an eine neue Groko sogar das berühmte „Basta!“:

Stegners Rückzug vom Rückzug aus der Großen Koalition offenbarte dann nach diesen großen Worten jede Menge Schiss in der Bux. Während sein Parteichef ja angeblich keine Angst vor Neuwahlen hatte, sind sie für Stegner ein Albtraum:

Damit wieder zurück zum Parteichef. Bei dem steht wohl noch eine weitere Volte unmittelbar bevor. Am 25. September 2017 sagte er der Bild dies:

Das dürfte ebenfalls Makulatur sein, es sei denn seine Partei schiebt den Schulz-Ambitionen auf das Außenamt doch noch einen Riegel vor. Damit wäre er allerdings für alle Zeiten erledigt. Nun kann man natürlich versuchen, dieses Verhalten der SPD mit „staatspolitischer Verantwortung“ zu rechtfertigen. Das ist aber eine Lüge. Letztlich geht es darum, Pfründen zu sichern und an den Fleischtöpfen der Macht zu bleiben. Der Wahlbürger aber lernt schon jetzt einmal mehr: Auf die Worte von Parteifunktionären kann man nichts geben.