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Gelegentliche Texte

Worte wie Projektile (8) – Islamophobie

So viel Konflikt war selten: In Deutschland bilden sich politische Fronten, wie noch nie nach 1945. Carl Schmitt würde sich bestätigt fühlen – die Freund-Feind-Kategorien ist jetzt Maßstab alles Redens und Handelns. Es geht nicht darum, den anderen zu überzeugen. Es geht darum, ihn zum Schweigen zu bringen. Hier werden Begriffe zu Waffen. Scharf aufgeladen sind sie die tödlichen Projektile an der Front des geistigen Bürgerkriegs. Heute: Islamophobie

„Islamophobie“ (wörtlich „Furcht vor dem Islam) gehört zur klassischen Totschlag-Terminologie. Der Begriff wird in der Regel als Vorwurf gebraucht und soll eine kritische Betrachtung des Islam und seiner Erscheinungsformen unterbinden. Der Kritiker wird pathologisiert, ihm wird durch den Wortbestandteil „Phobie“ eine krankhafte Störung unterstellt. „Phobie“ bezeichnet ja im medizinischen Gebrauch eine Angststörung, die sich durch übertriebene Reaktionen auf nicht vorhandene Bedrohungen auszeichnet. Diagnose: Es handelt sich um einen politischen Kampfbegriff.

Das zeigt auch seine Herkunft. Zum ersten Mal kann man „Islamophobie“ als Kampfbegriff nach der schiitischen Revolution im Iran nachweisen. 1980 zwangen die Mullahs den säkularen Frauen im Land die islamische Verhüllung auf. Was im Westen kaum jemand bemerkte: Es gab damals  Massenproteste gegen diese Maßnahme. Die Mullahs warfen in ihrer Gegenpropaganda den protestierenden Frauen vor, sie seien „islamophob“, lehnten die wohltätigen Maßnahme des Islam aus purer Geistesschwäche ab.

Forscher haben „Islamophobie“ allerdings schon früher nachweisen können, zum ersten Mal in einem französischen Buch aus dem Jahr 1921, das gegen eine zuvor erschienene kritische Mohammed-Biographie anschrieb.

Um dem Anwurf  zusätzliches Gewicht zu geben, wird „Islamophobie“ heute gern in einen Topf mit „Rassismus“ oder Antisemitismus geworfen. Das ist ein durchschaubarer, aber durchaus wirksamer Propagandatrick. Antisemitismus ist eine ausgeformte Ideologie, die Millionen Opfer gefordert hat. Die Kritik am Islam ordnet sich hingegen entweder in allgemeine Religionskritik oder in den Disput der Religionen untereinander ein. Im Übrigen gibt es gute Gründe, den politischen Islam als bedrohlich aufzufassen. Das Judentum hat hingegen in seiner Geschichte zu keiner Zeit irgendwen bedroht.

Kritik und Ablehnung des politischen Islam sind also legitim. Man darf sich gegen einen unbegrenzten Machtanspruch, die Gewalt und die Intoleranz einer Religion zur Wehr setzen. Da gibt es nichts, das unter Naturschutz zu stellen wäre. Mehr noch: Jede Kritik an jeglicher Religionen und an jeglichem Aspekt einer Religion ist legitim. Das gilt auch für die theologischen, werden sie von den Anhängern auch für noch so „heilig“ gehalten. Wäre das nicht so, dürften Atheisten oder Agnostiker sich nicht kritisch mit Religion auseinandersetzen.

Daher verwundert es, dass ausgerechnet Linke und Linksliberale diesen Kampfbegriff so gern im Munde führen. Es sind ja schließlich vorzugsweise diese Leute, die sich angeblich die menschliche Emanzipation und Aufklärung auf die Fahnen geschrieben haben. Keineswegs überraschend ist es hingegen, dass der Vorwurf der  „Islamophobie“ zum Standartrepertoire aller möglicher Islamisten gehört. Man könnte fast sagen, wenn ein Moslem zum Islamophobie-Keule greift, ist seine Neigung zum politischen Islam nicht zu leugnen.

 Der Kampfbegriff „Islamophobie“ soll also berechtigte Religionskritik delegitimieren. Er zielt nicht zuletzt auf die persönliche Integrität des Kritikers, den er zum Rassisten und Halbirren macht. Dabei ist gerade die Gleichsetzung von Islamkritik mit Rassismus grober Unfug. Der Islam ist weder eine Nation noch eine „Rasse“, noch ist er an eine bestimmte Hautfarbe gebunden. Er ist eine Religion, von der man sich jederzeit trennen kann. Millionen Ex-Muslime weltweit bezeugen das täglich. An dieser schlichten Realität ändert auch das pseudowissenschaftliche Gerede vom ,,Rassismus ohne Rassen“ nichts.

Merke: „Islamophobie“, in jüngster Zeit auch „Islamfeindlichkeit“, sind Vorwürfe, die das Ziel des Angriffs in mehrfacher Hinsicht pathologisieren. Es geht darum, die Kritik am Islam durch Diffamierung des Kritikers zu unterbinden. Man lasse sich jedoch nicht einschüchtern und benenne den Begriff als das, was er ist – ein politischer Kampfbegriff aus der Giftküche des politischen Islam selbst.

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Worte wie Projektile (7) – Toleranz

So viel Konflikt war selten: In Deutschland bilden sich politische Fronten, wie noch nie nach 1945. Carl Schmitt würde sich bestätigt fühlen – die Freund-Feind-Kategorien ist jetzt Maßstab alles Redens und Handelns. Es geht nicht darum, den anderen zu überzeugen. Es geht darum, ihn zum Schweigen zu bringen. Hier werden Begriffe zu Waffen. Scharf aufgeladen sind sie die tödlichen Projektile an der Front des geistigen Bürgerkriegs. Heute: Toleranz

Das schöne Wort Toleranz, das so eine große Vergangenheit in Europa hat, ist heute bedauernswertem und schamlosem Missbrauch anheim gefallen. Das lateinische „tolerare“ weist den Weg, denn es bedeutet schlicht, etwas zu erdulden oder zu ertragen. In der Biologie beschreibt das Wort die Fähigkeit eines Organismus‘, Umweltfaktoren in einer bestimmten Intensität auszuhalten, ohne zugrunde zu gehen. Kakerlaken haben etwa eine hohe Toleranz gegenüber radioaktiver Strahlung, die Toleranz des Menschen ist vergleichsweise gering.

Genau so wurde das Wort seit der Aufklärung in religiösen, politische und gesellschaftlichen Debatten auch benutzt: als der bewusst geübte Akt, fremde und abweichende Handlungen gewähren zu lassen, so lange sie die eigenen Überzeugungen und Lebensform nicht bedrohen. Das galt zunächst für die Religion, man erinnere sich an die Toleranzedikte für das reformierte Christentum in der Renaissance. Religiöse Toleranz ist eine der preußischen Tugenden. Politische Toleranz, das Ertragen widersprechender politischer Ansichten, ist heute Grundbedingung jedes nichtrepressiven, jedes einigermaßen freiheitlichen Systems.

Nur – es geht eben um Toleranz. Also um das Ertragen fremder Ansichten und Meinungen, die man nicht teilt oder sogar ablehnt. Es geht ausdrücklich nicht darum, diese zu akzeptieren, also bewusst zu fördern, sich zu eigen zu machen oder gut zu heißen. Genau in diesem Sinn wird in Deutschland heute jedoch „Toleranz“ benutzt. Ist da etwa auf politischer Ebene von „Toleranz gegenüber dem Islam“ die Rede, kann man davon ausgehen, dass es eben nicht nur darum geht, Moslems irgendwo in Ruhe beten zu lassen – in der Regel steckt dahinter eine wie auch immer geartete Förderung. Ablehnung von islamischen Feiertagen in Deutschland oder des Baus einer Moschee mit Minarett wird dabei gern als Intoleranz hingestellt – nur  ist es das eben nicht, sondern schlicht  eine Verweigerung, sich etwas zu eigen zu machen. So etwas überspannt den Begriff Toleranz weit.

Schaut man sich exemplarisch einmal die verschiedenen, staatlich geförderten „Toleranz-Seiten“ im Netz an („Tolerantes Sachsen“, „Tolerantes Brandenburg“), wird schnell klar, dass es hier natürlich nicht darum geht, den Sachsen oder Brandenburgern das Ertragen von Andersartigkeit zu vermitteln. Darin sind die Deutschen ziemlich gut. Ziel ist Erziehung zu Akzeptanz  – nur wird das eben nicht gesagt.

Dabei hat jeder Mensch von Natur aus das Recht, andere Ansichten, religiöse Bekenntnisse, Lebensstile oder politische Überzeugungen abzulehnen oder zu kritisieren. Es gibt da keinen Naturschutz für irgendjemanden. Das Ertragen solcher Andersartigkeiten, ihr Tolerieren, ihr nicht gewaltsames Unterbinden, zeichnet hingegen den aufgeklärten Menschen aus. Nicht mehr und nicht weniger.

Merke: Wenn heute von Toleranz die Rede ist, dann wird dieses Wort höchst wahrscheinlich im Sinne von Akzeptanz benutzt. Wer lauthals Toleranz fordert, will zudem in der Regel Kritik an fremden Überzeugungen unterbinden. Der Ruf nach Toleranz maskiert gewöhnlich den Ruf nach Annahme oder Förderung einer bestimmten Einstellung, Überzeugung und ihrer praktischen Ausübungen. Andererseits ist man insbesondere auf der politischen Linken und Rechten immer weniger bereit, echte politische Toleranz gegenüber abweichenden Ansichten und Konzepten zu üben. Man vermeide daher den Gebrauch dieses Begriffes und enttarne das darin verborgene Verlangen nach Unterstützung für etwas, das man ablehnt aber zu dulden bereit ist.

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