Paskalwen

Gelegentliche Texte

Ein feuchter Traum der Stasi

Wenn es die DDR heute noch geben würde…

14. Juni 2018, Berlin. Hauptstadt der DDR, Normannenstraße, Hauptquartier des Ministeriums für Staatssicherheit, Raum des Offiziers vom Dienst, 14.55 Uhr. Es klopft:

– Herein!

– Genosse Oberst, hier sind die Berichte über die Wochenereignisse in der Bundesrepublik Deutschland und in Westberlin.

– Bemerkenswertes, Müller?

– Genosse Oberst, der Klassenfeind deckt sich offenbar flächendeckend mit einem Lautsprecher namens „Alexa“ ein, der von dem US-amerikanischen Konzern „Amazon“ hergestellt wird!

– So, so – ein Lautsprecher.  Is’ das `ne Neuigkeit? Unsere Werktätigen im VEB RFT Staßfurt stellen Lautsprecher höchster Qualität her, Genosse Müller! Gütezeichen „Q“!

– Aber Genosse Oberst, stellen Sie sich doch vor: Dieser Lausprecher hat auch ein Mikrofon, und das  nimmt alles auf, was im Raum gesprochen wird. Das wird dann drahtlos in die Elektronische Datenverarbeitung des Konzerns in den Vereinigten Staaten übertragen und dort ausgewertet. Von dort gesendet werden dann an den Lautsprecher Anweisungen und Agitprop-Sendungen! Außerdem  können die Bürger der Bundesrepublik Deutschland so auch Waren per Bestellung erwerben.

– Also eine Art flächendeckende Wanze, Müller! Beeindruckend! Wie schaffen es denn die Kollegen aus dem Westen diese „Alexa“ in die Wohnungen ihrer Bürger zu bringen? Ein neues Gesetz?  Lex „Alexa“?

– Genosse Oberst, das ist ja sooo knorke! Die müssen sich um nichts kümmern! Die Leute stellen sich das Ding völlig freiwillig in die Wohnung – und bezahlen auch noch dafür! Das Projekt finanziert sich quasi selbst – ist das nicht großartig!

– Genosse Leutnant Müller, es ist ganz eindeutig! Sie sind einer Desinformationskampagne des Klassenfeindes aufgesessen! So dumm ist kein Mensch, sich selbst eine Wanze in die Bude zu stellen und die auch noch zu bezahlen – nicht  einmal ein Bundesbürger, obwohl die Volksbildung im Westen ja letzthin auf den Hund gekommen ist! Also, mehr revolutionäre Wachsamkeit, sonst versetze ich Sie zu den Freunden nach Sibirien! Und jetzt raus mit Ihnen, Müller!

Ein US-Präsident schaut dem Bösen unerschrocken ins Auge

Merkel und Trump beim G7-Gipfel in Kanada. Foto: Jesco Denzel/Bundesregierung